Erschienen als: Interview – Das Grüne Band nicht einfrieren, in: Südthüringer Zeitung vom 18.06.

 

Das Grüne Band soll zum Nationalen Naturmonument entwickelt werden. Nach wie vor gibt es große Bedenken vor Ort. Können Sie das irgendwie nachvollziehen?

Es gibt Bedenken, ja, aber es gibt au ch einen langen Prozess auf dem Weg zum Nationalen Naturmonument – den wir nutzen wollen, um aufzuklären und Vorbehalte auszuräumen. Ich finde es wichtig, dazu in intensivem Austausch zu sein, gerade mit den Kommunen vor Ort. Der Gesetzentwurf selbst ist ja öffentlich zugänglich. Mit wenigen Klicks kann man diesen im Internet finden. Im Landtag wurde er schon beraten und jetzt wurden über 70 Verbände, Vereine und Kommunen angehört. Gute Ideen werden natürlich in den Gesetzentwurf eingewoben. Wir wollen die Menschen vor Ort mitnehmen und uns die Zeit geben, die wir brauchen – damit möglichst viele zustimmen können: Knapp 30 Jahre nach dem Mauerfall sollten wir die Erinnerung an den Todesstreifen und das dort entstandene grüne Band mit all seinem Artenreichtum besonders schützen.

 

Gerade Kommunen haben immer wieder kritisiert, dass sie in ihrer Entwicklung im Grünen Band als Nationalem Naturmonument stark eingeschränkt sein werden….

Das nehmen wir ernst und werden gerade in Fragen der Infrastruktur, seien es Straßen oder Leitungen, Planungssicherheit bieten. Veränderungen, die geplant und notwendig sind, werden auch weiterhin möglich sein. Ich erinnere da an den Breitbandausbau. Der Gesetzentwurf gibt da einen allgemeinen Rechtsrahmen vor – der die Entwicklungschancen der Kommunen berücksichtigt. Die kommunale Planungshoheit bleibt dort, wo sie hingehört.

 

Vielfach wird die Verbotsliste angeprangert. Ihr Haus verweist darauf, dass es aber auch eine Reihe von Ausnahmen gibt. Doch die Menschen vor Ort befürchten, dass sie dann immer wieder bei der Unteren Naturschutzbehörde betteln gehen müssen und von der Tagesform der dortigen Mitarbeiter abhängig sind, ob etwas geht oder nicht…

So eine Liste gibt es ja nicht. Aber ich verstehe, dass die Menschen an der einstigen innerdeutschen Grenze besonders wissen wollen, ob da wegen des besonderen Schutzstatus für den ehemaligen Todesstreifen neue Einschränkungen auf sie zukommen. Wer unter der Willkürherrschaft des DDR-Regimes gelitten hat, ist da zu Recht besonders aufmerksam. Aber jetzt leben in einem Rechtsstaat, deshalb sind wir ja auch einem demokratischen Prozess für unseren Gesetzentwurf . Und niemand ist der Willkür irgendwelcher Behörden ausgeliefert. . Also, die Kommunen müssen mit diesem, Gesetzen leben können, das wissen wir. Wir wollen das Grüne Band ja nicht einfrieren – im Gegenteil. Dort wandelt sich Vergangenheit in lebenswerte Zukunft. Der Todesstreifen wird zur Lebenslinie. . Wir haben jetzt eine einmalige historische Chance, das Grüne Band als bundesweit erstes flächiges Nationales Naturmonument auszuweisen. Der Artenreichtum dieser neuen grünen Brücke ist phänomenal und 30 Jahre nach der friedlichen Revolution brauchen wir den Erhalt des Grünen Bandes.. Zur Aufarbeitung der SED-Diktatur kann dieses Mahnmal einen sehr wertvollen Beitrag leisten – gemeinsam mit den Erinnerungsstätten und Grenzlandmuseen. Im Übrigen sind Gewerbebereiche mit einem Bebauungsplan möglich. Wir wissen, dass Gewerbetreibende größtmögliche Planungssicherheit brauchen. Hier wird es weiter Entwicklung geben – im Einklang mit der Natur.

 

Landwirte sagen, das Grüne Band sei heute so wertvoll, weil sie mit dafür gesorgt hätten, dass es erhalten wurde und fragen sich, warum dann nicht alles so bleiben kann wie bisher – also ohne den Status Nationales Naturmonument…

In den nächsten zwanzig Jahren würde das Grüne Band ohne Schutzstatus weiter zerschnitten und wäre dann nicht mehr als verbindende Linie erkennbar. Der Kolonnenweg ist teilweise schon zurückgebaut – dann lässt sich an die Geschichte nicht mehr so anknüpfen wie das jetzt noch möglich ist. Das Grüne Band ist eine ganz besonders kostbare Kombination von Erinnerungskultur und Naturreichtum und hat den Schutz als Nationales Naturmonument verdient. Wir dürfen nicht vergessen: Wir sprechen von einem Streifen, der an der schmalsten Stelle nur fünf Meter misst und maximal 200 Meter breit ist. Und noch einmal: Wald und Acker können wie bisher genutzt werden. Veränderungen – wenn nötig – gehen nur einvernehmlich. Ja, der Mensch hat gerade in den letzten fast 30 Jahren die Kulturlandschaft am einstigen Eisernen Vorhang maßgeblich geprägt und die wertvollen Offenlandbiotope erhalten. Das soll auch so bleiben. Damit das alles ein Grünes Band bleibt wollen wir jetzt handeln.

 

Ihre Sommertour Ende Juli wird ausschließlich ans Grüne Band führen…

Ja, weil mir das wichtig ist. Ich nehme Fragen, Bedenken und Verbesserungsvorschläge aus den Regionen natürlich ernst. Hier will ich mit offenen Augen und Ohren unterwegs sein und mit möglichst vielen Menschen vor Ort reden. Ich freue mich auf den Austausch während meiner Sommertour.