Sendungsgottesdienst auf dem Marktplatz Jena am 27. Mai 2017

 

Liebe Schwestern und Brüder,
die herzlichsten Grüße der Thüringer Landesregierung sende ich an alle hier auf dem Marktplatz in Jena.

Es ist eine große Freude heute gemeinsam hier mit Blick auf unsere Stadtkirche den Gottesdienst zu feiern.

Drei Tage intensiver Diskussionen, der kulturellen Erkundung und des fröhlichen Treibens liegen hinter uns auf dem Kirchentag, auf dem Weg in Jena, Weimar, Wittenberg, Berlin und anderen Orts. Drei Tage Begegnung, musikalische und spirituelle Angebote. Drei Tage Gemeinschaft.

Der Anlass? Das Reformationsjubiläum. Und unsere Geschichte hier in Thüringen gibt für den Kirchentag im Lichte des Jubiläums so viel her. Ja, hier rang Martin Luther auf dem Boden des Augustinerklosters mit seinem Gott und seinem Glauben. Ja, hier liegen wesentliche Teile des schriftlichen Erbes der lutherischen Reformation. Wir in Thüringen sind uns unseres Erbes der Reformation bewusst.

Unser Ziel ist es nun, den Gedanken der Reformation weiter zu spinnen, das heisst auch heute Menschen zu ermutigen, sich ein eigenes fundiertes und kritisches Urteil über die Reformation zu bilden.

Dabei ist das Reformationsjubiläum mehr als Playmobilfiguren von und Plakate mit Luther. Das kann gerade hier, im historischen Wirkungskreis des Andreas Karlstadt, des Freundes und Gegners (heute würde man sagen sparring partners) Luthers, betont werden. Ausstellungen, Podien und Lesungen boten den Raum für Diskussion dafür, wie die divergenten Strömungen der Reformation und der interreligiöse Dialog gerade heute Relevanz haben.

Liebe Schwestern und Brüder,
die Reformation mag in Thüringen und Europa ihren Ursprung haben, sie besitzt aber längst weltweite Bedeutung.

Dass der Kirchentag auch in Berlin nicht ohne eine globale Betrachtung stattfindet, ist nicht überraschend. Dass es heute umso mehr auf uns als Gläubige ankommt gegen Fremdenhass, Nationalismus und antidemokratische Strömungen aufzustehen, kann nicht genug betont werden. Nie kam es mehr darauf an, die Menschenwürde, Menschenrechte und Frieden als Werte an sich zu verteidigen. Das sage ich mit Blick auf die knappen Wahlentscheidungen in Österreich, Frankreich und den Niederlanden. Das sage ich aber auch mit Blick auf antidemokratische Kräfte in unserem Land. Nie waren unsere gemeinsamen Werte relevanter.

Das sage ich auch, als Ministerin für Umwelt, Energie und Naturschutz nach einer Podiumsdiskussion vorhin im Volkshaus zum Thema „Nach uns die Sintflut?“ gemeinsam mit Friedrich Schorlemmer und anderen. Es ist Luthers Wort zum 1. Glaubensartikel, das da heißt: „Ich glaube, dass Gott mich geschaffen hat mit all seinen Kreaturen.“ Jeder Tag, an dem wir uns nicht des dramatischen Artensterbens bewusst haben, jeder Tag an dem wir uns nicht bewusst werden, dass unser Ressourcenverbrauch zu Lasten kommender Generationen geht und das Schmelzen der Gletscher nur ein Warnzeichen von vielen für den Klimawandel sind, ist ein verschenkter Tag. Friedrich Schorlemmer sagte vorhin, wir sollten nicht sehenden Auges in die Klimakatastrophe laufen, sondern entschlossen und mutig und voran gehen um unsere Lebensgrundlagen zu schützen. Sich die Freude vor diesen anstehenden Aufgaben nicht verdüstern zu lassen, ist unsere gemeinsame Haltung.

Liebe Brüder und Schwestern,
danke allen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. Danke allen, die diesen Kirchentag so lebendig gemacht haben. Ihnen allen auf dem Weg nach Hause alles Gute und Gottes Segen.