Mutter. Ministerin. Mensch.

Liebe Leserin und lieber Leser,

schön, dass Sie hier vorbei kommen.

Mit Blick auf das Jahr 2019 habe ich diese Seite über mich und meine politische Haltung an den Start gebracht. Vermutlich hat Sie ein energie- oder klimapolitisches Thema her geführt. Vielleicht auch einfach Neugier, weil wir uns irgendwo in Thüringen bei einem Termin begegnet sind, zum Beispiel im Nationalpark Hainich oder einer anderen unserer acht Nationalen Naturlandschaften. Oder beim Wandern am Grünen Band? Oder bei einer Veranstaltung im Klimapavillon? An jedem dieser Orte bin ich leidenschaftlich gern. Hier auf dieser Seite will ich aber noch mehr von mir erzählen. Woher ich komme, was mich umtreibt, wohin ich will. Und warum Haltung heute so wichtig ist.

Gleich zu Beginn und ganz offen: Heute unpolitisch zu sein, geht nicht. Warum? 2019 – Das ist das Jahr, in dem sich zum 100. Mal die Weimarer Verfassung jährt. Jeden Tag, wenn ich von Jena nach Erfurt ins Umweltministerium fahre, liegt Weimar „auf dem Weg“. Von weitem mahnt Buchenwald. Zugleich führt mir jeder Besuch des Deutschen Nationaltheaters in Weimar vor Augen, dass hier die erste parlamentarische Demokratie der Republik ausgerufen wurde. Vor knapp 100 Jahren.

2019 – Das ist auch das Jahr, in dem wir 30 Jahre nach der friedlichen Revolution als freie Menschen im Osten leben, aber zu viele damit unzufrieden sind. Es ist das Jahr, in dem mindestens eine Generation schon gar nicht mehr weiß, was die DDR-Diktatur an Unfreiheit bedeutete und eine andere sie verklärt. 1989 war das Jahr, in dem ich als gerade 12 Jährige die friedliche Revolution in Gera an der Nikolaikirche miterlebte, danach die Chance bekam, das Abitur zu machen und schließlich Politik zu studieren. Undenkbar sonst.

Es ist also an der Zeit 2019 zu einem Jahr zu machen, in dem wir an die großen Errungenschaften von 1919 und 1989 anknüpfen. Positiv, denn ich beginne jeden Tag mit der Zuversicht, die die Menschen 1919 nach Weimar oder 1989 raus auf die Straße trugen: Den Willen sich einzumischen, zu verändern, weil es stets um MEHR ging.

Warum? Ganz einfach: Bei mir sitzt die Zukunft jeden Tag zu Hause am Küchentisch. Meine Familie will – wie alle Menschen – weiter ein friedliches Europa, das zusammen wächst. Unseren Kindern gilt unsere ganz Kraft, wenn ich sage: Wir haben diese eine Erde nur von unseren Kindern geborgt. Politik ist Freiheit. Und sie soll es, so wie Hannah Arendt es einst formulierte, auch bleiben. Daraus erwächst meine Lust am Gestalten und Thüringen noch grüner zu machen.

Ich bin 1977 in Gera, im Osten Thüringens, geboren und behütet im Plattenbauviertel Gera-Lusan aufgewachsen. Meine Mutter ist ausgebildete Feinmechanikerin, mein Vater Schlosser. Beide haben mich damals gelehrt zu fragen, Aussagen in Frage zu stellen und offen auf andere Menschen mit anderen Ideen zuzugehen. Aus heutiger Sicht nicht selbstverständlich… Sie haben mich darin bestärkt, neugierig zu sein und zum Beispiel auf der Wartburg stehend die Sehnsucht für die andere, die freie Welt spüren zu können. Sie nahmen mich mit zu einer der Herbstdemos in Gera mit Kerze in der Hand. Mit 12 Jahren stand ich da mit diesem kleinen Licht unter tausenden im Osten. Und wenn ich heute Gäste aus Südkorea am Grünen Band, einem meiner Herzensprojekte, entlang führe, sehe ich ihre Sehnsucht und ahne, wie es ihnen geht.

Umweltpolitisch früh sensibilisiert wurde ich durch die Wismutkumpel-Familien in meiner Schule. Der Uranabbau und die Halden waren nicht weit, gingen nicht spurlos an den Familien vorüber. In meiner Freizeit sang ich im Chor, stromerte durch den Wald verbrachte manch Nachmittag auf einem der Hochsitze im Freundeskreis. Und jedes Mal, wenn ich am VEB Modedruck vorbei lief, sah ich, dass Flüsse zwar bunt sein können, aber das Ökosystem der Weißen Elster wie das vieler anderer Flüsse auch dadurch nahezu am kollabieren war.

1995 machte ich Abi am Goethe-Gymnasium in Gera, als erste in meiner Familie und ich wollte verstehen, was da passiert war 1990 bis 1995 und begann ein Studium der Politikwissenschaft in Jena. Die Sehnsucht nach Freiheit konnte ich durch ein Auslandsjahr in den USA stillen.

Als ich 2002 mein Studium abschloss, war meine jüngste Tochter gerade 6 Monate alt. Ihre Geburt hat mich darin bestärkt, dass der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen weder allein in Gottes Hand liegt – und ich sage das als Christin nicht leichtfertig – sondern das Schmelzen der Gletscher, das Vermüllen der Meere mit Plastik oder Ackergifte auf den Feldern von uns Menschen zugelassen und gewollt werden. Oder eben nicht, wenn man den Mund aufmacht. Ich wollte und will an Dingen, die ich sehe und die ich zutiefst falsch oder ungerecht finde, etwas ändern. Deshalb bin ich seit Herbst 2002 Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen.

2009 gelang uns der Einzug in den Thüringer Landtag und ich durfte bis 2014 als Fraktionsvorsitzende wirken. 2014 führte ich die bündnisgrüne Liste an und im Ergebnis stiegen wir in die erste rot-rot-grüne Koalition bundesweit ein. Diese arbeitet erfolgreich.

Meine älteste Tochter ist jetzt fast erwachsen. Aber zu tun gibt es heute mehr denn je. Die Stimmen der Zweifler an unserer jungen Demokratie mehren sich. Europa als Inbegriff des Friedens wird klein geredet und der Ton in der politischen Auseinandersetzung sowohl auf der Straße als auch in Zuschriften ist aggressiver. Umso wichtiger sind überzeugte DemokratInnen, die mutig, entschlossen und voller Zuversicht hier leben, das Land entwickeln und voran bringen wollen. Ich bin eine von ihnen.

Max Weber hat 1918 PolitikerInnen attestiert, mit Leidenschaft, Augenmaß und Vernunft seien sie gute Verantwortungsträger. Heute gehört der unbedingte Wille, unsere Grundwerte und Grundrechte, ja das Grundgesetz vor Verfassungsfeinden zu schützen, aus meiner Sicht mit dazu.

Ich bin gern Umweltministerin. Meine jüngste Tochter stellte mich mal  einer ihrer Freundinnen als „Umwälzministerin“ vor. Manchmal kam es mir in den letzten 4 Jahren wirklich so vor. Aber es ist schon viel geschafft! Die ersten Jahre in der Koalition waren erst der Anfang. Jetzt geht es darum, unser schönes Land weiter zu modernisieren und dabei keinen und keine zurück zu lassen. Es geht um Chancen für alle von Anfang an, um mehr Zeit für Kinder ebenso, wie um soziale Mobilität. Es geht um unsere Lebensgrundlagen, um mehr Klima- und Naturschutz. Es geht um sauberes Wasser und mehr Natur. Es geht um eine ökologischere Landwirtschaft und saubere Mobilität. Die ökologische und ökonomische Modernisierung – mehr Ideen von mutigen Menschen – voran zu bringen, dafür will ich mich einsetzen.

Bequem ist nichts mehr. Nicht heute.

Und jetzt: Nur zu, klicken Sie sich durch! Auf Fragen und Anregungen freue ich mich.

Ihre

Anja Siegesmund