Mutter. Ministerin. Mensch.

Liebe Leserin und lieber Leser,

schön, dass Sie hier vorbei kommen.

Vermutlich hat Sie ein energie- oder klimapolitisches Thema hergeführt. Vielleicht auch einfach Neugier, weil wir uns irgendwo in Thüringen begegnet sind, zum Beispiel im Nationalpark Hainich oder einer anderen unserer acht Nationalen Naturlandschaften. Oder beim Wandern am Grünen Band? Oder bei einer Veranstaltung im Klimapavillon? An jedem dieser Orte bin ich leidenschaftlich gern. Hier auf dieser Seite will ich aber noch mehr von mir erzählen. Woher ich komme, was mich umtreibt, wohin ich will. Und warum Haltung heute so wichtig ist.

Gleich zu Beginn und ganz offen: Heute unpolitisch zu sein, geht nicht. Warum? Jeden Tag, wenn ich von Jena nach Erfurt ins Umweltministerium fahre, liegt Weimar „auf dem Weg“. Von weitem mahnt Buchenwald, dessen 75. Jahrestag der Befreiung wir 2020 begehen. Zugleich führt mir jeder Besuch des Deutschen Nationaltheaters in Weimar vor Augen, dass hier die erste parlamentarische Demokratie der Republik ausgerufen wurde. Vor gut 100 Jahren. Und: Heute leben wir 30 Jahre nach der friedlichen Revolution als freie Menschen in einem gemeinsamen Land und sind mehr denn je gefordert unsere Demokratie zu verteidigen.

2020 ist das Jahr, in dem wir ein grünes Doppeljubiläum feiern: 40 Jahre Grüne, 30 Jahre Bündnis 90. Noch nie wurden uns die Auswirkungen der Klimakrise deutlicher vor Augen geführt: Täglich erreichen uns Bilder der Brände in Australien. Währenddessen schmelzen die Polkappen, der Meeresspiegel steigt. Aber wir müssen gar nicht so weit wegschauen: Bei uns in Thüringen haben wir zwei heiße Sommer in Folge erlebt und die Auswirkungen mit Ernteausfällen und versiegenden Trinkwasser-Brunnen zu spüren bekommen. Wer wie ich gerne im Wald unterwegs ist, kann die kranken Bäume nicht übersehen. Klimaschutz ist aktuell wie nie, denn es geht um nichts weniger als um unsere Lebensgrundlagen.

Gleichzeitig stehen wir 100 Jahre nach der Gründung des Landes Thüringen bzw. 30 Jahre nach der Wiedergründung unseres Freistaates vor einer politischen spannenden Situation: Wir Bündnisgrüne haben uns mit unseren bisherigen Koalitionspartnern Linke und SPD erneut auf den Weg gemacht – diesmal, um eine Minderheitsregierung zu schmieden. Und in den letzten Tagen und Wochen habe ich oft an unser Motto gedacht: Zukunft ist aus Mut gemacht.

Seit 18 Jahren bin ich bei den Bündnisgrünen mit dabei. Was sich nicht geändert hat, ist der Wille sich einzumischen, zu verändern, weil es stets um MEHR ging und geht. Unseren Kindern gilt unsere ganz Kraft, wenn ich sage: Wir haben diese eine Erde nur von unseren Kindern geborgt. Politik ist Freiheit. Und sie soll es, so wie Hannah Arendt es einst formulierte, auch bleiben.

Ich bin gern Umweltministerin. Meine jüngste Tochter stellte mich mal einer ihrer Freundinnen als „Umwälzministerin“ vor. Manchmal kam es mir in den letzten 4 Jahren wirklich so vor. Aber es ist schon viel geschafft! Die ersten Jahre in der Koalition waren erst der Anfang. Jetzt geht es darum, unser schönes Land weiter zu modernisieren und dabei keinen und keine zurück zu lassen. Es geht um Chancen für alle von Anfang an, um mehr Zeit für Kinder ebenso, wie um soziale Mobilität. Es geht um unsere Lebensgrundlagen, um mehr Klima- und Naturschutz. Es geht um sauberes Wasser und mehr Natur. Es geht um eine ökologischere Landwirtschaft und saubere Mobilität. Die ökologische und ökonomische Modernisierung – mehr Ideen von mutigen Menschen – voran zu bringen, dafür will ich mich einsetzen.

Ihre

Anja Siegesmund