Klein, bunt und kaum wahrnehmbar: Mikro- und Nanoplastikpartikel sind inzwischen überall in der Umwelt nachweisbar. Sie gelangen u. a. durch die Zersetzung größerer Plastikteile oder über Kosmetika, Reifenabrieb oder Kunststofffasern von synthetischer Kleidung in die Gewässer und somit ins Meer und in unsere Böden.

Auch gelangen Kunststoffe aus Kosmetikprodukten über lokale Abwässer in unsere Böden. Alles, was nicht über Klärschlämme raus gefiltert wird, landet in der Umwelt. Inzwischen sind in den Mägen von Seehunden, Fischen und Kleinorganismen entsprechende Partikel zu finden.

Aktuelle Ergebnisse aus der Studie des Fraunhofer Institutes für Umwelt „Kunststoffe in der Umwelt“ (Juni 2018) zeigen, dass 4 Kilogramm pro Kopf jährlich an Mikroplastik in die Umwelt freigesetzt werden. Mit einer Verweildauer von mehr als 100 Jahren überlassen wir kommenden Generationen richtig viel Kunststoffe in der Natur.

Kosmetikprodukte sind zwar nicht die größte Quelle für Mikroplastikverunreinigungen, jedoch kommen trotz freiwilliger Selbstverpflichtung der Kosmetikhersteller diese Stoffe immer noch vor. Das muss nicht sein.

Die Hersteller und Vertreiber haben selbst den größten Einfluss auf die Gestaltung der von Ihnen hergestellten und vertriebenen Produkte und es ist an der Zeit, bewusster mit dem Einsatz und Zusatz von Stoffen umzugehen.

Zwar hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Oktober 2017 das Forschungsthema „Plastik in der Umwelt – Quellen • Senken • Lösungsansätze“ aufgelegt.
Es sollen hierbei u. a. standardisierte Verfahren zu Probenahmen, zur Probenaufbereitung sowie zum Nachweis von Mikroplastik in allen Umweltmedien (Wasser, Boden, Luft) entwickelt werden. Aber das ist doch erst der Anfang.

Damit wir schneller runter vom Plastikberg kommen, haben Hamburg und Thüringen gemeinsam einen Antrag zum Verbot von Mikroplastik in Kosmetika im Bundesrat mehrheitsfähig gemacht. Es ist uns heute gelungen, die Bundesregierung aufzufordern, das Verbot von Mikroplastik in Kosmetika umzusetzen.

Wir haben daneben zur Ermittlung der Belastung von Mikroplastik in Fließgewässern 2018 eine Studie an der Universität Bayreuth beauftragt. Die Untersuchungen erfolgen in Anlehnung an das länderübergreifende Untersuchungsprogramm der Pilotstudie in den Gewässern der fünf Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.

Wasser kennt keine Landesgrenzen. Grundsätzlich kann von einer zivilisatorischen Grundlast an Mikroplastik in Gewässern anhand der vorliegenden Ergebnisse der Pilotstudie ausgegangen werden.

Unabhängig von den Ergebnissen in Thüringen ist es an der Zeit, dass der Plastikeintrag in die Umwelt zwingend reduziert wird.

Wir müssen etwas gegen die zunehmende Mikroplastikverunreinigung tun und dürfen nicht untätig zuschauen. Andere Länder wie z. B. Schweden, Italien, Kanada und Neuseeland sind uns hier ein Stück voraus, was die nationale Verbotsregelung betrifft.